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dpa, Oktober 2006
Fürther Journalistin erzählt die "Kissinger-Saga"
Von Stephan Maurer
Fürth (dpa/lby) - Drei Jahre lang kannte Evi Kurz fast nur ein
Thema: das Leben der Kissinger-Brüder. Die fränkische Journalistin
und Fernsehmoderatorin schrieb Briefe, telefonierte, flog in die USA
- und es gelang ihr tatsächlich, was bisher noch kein Journalist
geschafft hatte: Henry Kissinger, früherer US-Außenminister und
Friedensnobelpreisträger, und sein ein Jahr jüngerer Bruder Walter
sprachen vor der Kamera über ihre Eltern, ihre Kindheit in Fürth und
die Emigration in die USA. Das Ergebnis der aufwendigen Recherchen
soll am 18. Oktober als 45-minütige Dokumentation unter dem Titel
"Die Kissinger-Saga" in der ARD gesendet werden. Das Bayerische
Fernsehen will Anfang Januar eine Langfassung mit 90 Minuten zeigen.
"Das hat mein Leben auf den Kopf gestellt", sagt Evi Kurz, die als
Moderatorin des Bayerischen Fernsehens bekannt ist, heute über die
Arbeit an der "Kissinger-Saga". "Ich habe es kaum jemandem erzählt,
bin drei Jahre abgetaucht." Die wenigen, die von ihrem Plan wussten,
"haben mich für verrückt erklärt". Denn die Kissinger-Brüder seien
bekannt dafür, ihr Privatleben strikt von der Öffentlichkeit
abzuschirmen. "Ich gebe niemals Interviews über mein Privatleben",
antwortete Henry Kissinger 2003 auf einen Brief aus Deutschland. Auch
Walter Kissinger habe sich noch nie vor der Kamera über die Familie
geäußert.
Diesmal taten sie es, denn Kurz gab nicht auf. Mit der Zeit gelang
es ihr, das Vertrauen der beiden über 80-jährigen Brüder zu erringen.
Dass die Journalistin ebenfalls aus Fürth stammt, wo sie auch heute
noch lebt, war dabei kein Nachteil. "Das sind Fragen, die ich hier in
Amerika nicht beantworte", sagt Henry Kissinger zu Beginn der ARDDokumentation.
Dann spricht er über seine Kindheit als Heinz
Kissinger in Fürth, wo die Familie in der Marienstraße 5 wohnte, über
"glückliche Zeiten" bei den Großeltern in Leuterhausen (Kreis
Ansbach), über Spaziergänge mit dem Vater Louis, einem Lehrer.
1938 emigrierte die jüdische Familie Kissinger auf der Flucht vor
den Nazis nach New York. Mutter Paula hatte das Unheil nahen sehen
und darauf gedrängt. "Der Vater hätte Deutschland niemals verlassen",
sagt Walter Kissinger heute. Für ihn sei die Anpassung sehr schwierig
gewesen. Die Söhne dagegen machten steile Karrieren - Henry in der
Politik, Walter als Manager in der Wirtschaft.
Evi Kurz zeichnet ein einfühlsames, von viel Sympathie geprägtes
Bild der Kissinger-Brüder und ihrer Familiengeschichte. Dabei steht
Privates im Vordergrund, nicht die Politik - auch wenn Zeitgenossen
wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) oder der frühere deutsche
Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) zu Wort kommen. 1975
kehrten die Kissinger-Brüder nach Fürth zurück, als Henry die Goldene Bürgermedaille erhielt. 1998 wurde er zum Ehrenbürger seiner
Heimatstadt ernannt.
An Ostern 2006 sahen sich Henry Kissinger und seine Ehefrau Nancy
den Film gemeinsam mit Evi Kurz an: "Es war wunderschön und hat mich
tief bewegt", sagt die Autorin. Das Kapitel ist für sie noch nicht
beendet: Im nächsten Jahr soll ein Buch erscheinen. Mit ihrer eigens
für die "Kissinger-Saga" gegründeten Produktionsfirma TLF will sie in
Zukunft weitere zeitgeschichtliche Dokumentationen machen.
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www.tlf-timelinefilm.de
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